Downhill – der Sport für vermeintlich Faule

„Ihr fahrt also mit dem Lift hoch um mit dem Fahrrad den Berg wieder runter zu fahren?“

Was im Winter bei Ski- und Snowboardfahrer*innen als völlig normal angesehen wird, ruft bei unserer Sportart oft Kopfschütteln, Unverständnis und Unterstellung einer gewissen Faulheit hervor. Dass bergauf Fahren mit Downhillrädern, die sowohl vorne an der Federgabel als auch in der Dämpfung im Heck über gut und gerne 200 mm Federweg verfügen, ein Ding der Unmöglichkeit ist, wird dabei schlicht ignoriert.

Warum also dieser Sport, der teuer und gefährlich und das Sportgerät dazu nur eingeschränkt nutzbar ist?

Gute Frage – einfache Antwort: weil es Spaß macht! Unter rein rationalen Gesichtspunkten macht diese Sportart natürlich erst mal keinen Sinn. Aber schauen wir doch mal genauer hin:

Was ist Downhill-Mountainbiking? Wie gesagt: man lässt sich mit einem Lift einen mehr oder weniger hohen Berg hinauf bringen und fährt dann mit dem speziell dafür gebauten Fahrrad wieder runter. Damit es auch Spaß macht, sind extra Strecken hierfür in Bikeparks gebaut worden: für Anfänger sog. „Flowtrails“ zum Rantasten z.T. mit Brechsandunterlage, Anliegerkurven und einfachen Sprüngen über spektakulär angelegte Strecken mit Steinfeldern, Drops (Kanten, die man nicht überfahren kann, sondern runterspringen =„droppen“ muss) und Gaps (Sprünge mit Absprung- und Landehügel, dazwischen….nichts) bis hin zu naturbelassenen Trails mit losem Boden, Wurzeln und Steilstücken.

Wie teuer ist Downhill? Naja, günstig ist es nicht gerade… Wer die Sportart einfach nur mal kennenlernen möchte, ist mit Leih-Bike und -Protektoren (inkl. Knieschonern, einem sog. „Safety-Jacket“, Vollvisierhelm) und Liftticket für einen Tag im Bikepark schnell 100 € los. Ein Kurs unter Anleitung eines fachkundigen Coaches macht durchaus Sinn – denn: Fahrrad fahren zu können ist natürlich die Grundlage, um überhaupt Downhill ausüben zu können, dennoch liegen Welten dazwischen! „Wie bremse ich richtig? Wie fahre ich durch  Anliegerkurven? Was ist ein Bunnyhop?“ sind Fragen, mit denen man sich als 08/15-Fahrradfahrer bislang meistens nicht beschäftigt hat. Die Erfahrung zeigt: Vorischt, Suchtgefahr! Meistens ist man danach schnell mit dem „Bike-Virus“ infiziert und möchte eigenes Equipment. Gebrauchte Räder gibt es bereits ab 1.500 €, wobei für Anfänger eine Beratung Sinn macht. Bei den verschiedenen Rahmengeometrien und –kinematiken und dazu noch verschiedenen Federsystemen ist es nicht einfach, das Richtige zu finden. Wer dazu noch in sinnvolle Schutzausrüstung und ein chices Outfit investiert, ist ganz schnell ein paar tausend Euro los, wobei es mit der reinen Anschaffung natürlich nicht getan ist – Teile gehen kaputt oder verschleißen. Dazu noch Fahrten zu den Bikeparks und die Liftkarten…unter dem finanziellen Aspekt betrachtet, gibt es sicherlich günstigere Hobbys!

Wie gefährlich ist Downhill? Verletzungen bleiben nicht aus – das steht schon mal fest! Das Risiko ist durch gute Schutzausrüstung, eine regelmäßige technische Wartung des Materials und vor allem durch eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten jedoch sehr gut kalkulierbar. Ich persönlich finde Rennradfahren zum Beispiel viel gefährlicher! Warum? Wir haben IMMER einen Helm auf und tragen darüber hinaus auch noch andere Protektoren. Wir müssen uns unseren Weg nicht mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen und alle fahren in eine Richtung. Wie gesagt: gutes technisches Material, Schutzausrüstung und eine realistische Selbsteinschätzung minimieren das Risiko, sich ernsthaft zu verletzen um ein Vielfaches.

Wo kann man Downhill ausüben? Da für den Auftransport ein Lift (oder Shuttle) benötigt wird, sind Bikeparks dort zu finden, wo im Winter Ski oder Snowboard gefahren wird – in Deutschland also u.a.  im Sauerland, im Harz, im Schwarzwald und in Alpennähe. Aber auch andere Regionen bieten vereinzelt Strecken oder Bikeparks an.

Bleibt noch die Frage nach dem „Warum“… Natürlich könnte ich schreiben, es geht darum, in möglichst kurzer Zeit einen steilen Abhang mit allen möglichen und unmöglichen Unwägbarkeiten runterzufahren, dabei noch maximal cool auszusehen und im besten Fall auch nicht zu stürzen – mentale Stärke inbegriffen! Das trifft es auch irgendwie, vor allem wenn man sich die nationalen und internationalen Rennen so anguckt. Meine ganz persönliche Sichtweise sieht jedoch so aus: ich bin draußen in der Natur, verbringe eine gute Zeit mit lässigen Leuten, spüre das Adrenalin, wie es meinen Körper flutet, vergesse die Sorgen des Alltags, konzentriere mich nur auf das Hier und Jetzt:  den nächsten Streckenabschnitt, den Wurzelteppich, das Steinfeld, den Sprung vor mir – und genieße das überragende Gefühl, meine Grenze wieder etwas weiter in Richtung „Wow, ich hätte nie gedacht, dass ich das schaffe!“ verschoben zu haben! Das Zauberwort lautet „Flow“!

In diesem Sinne: ride on, have fun… und: bis bald im Wald!

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